Die Vroni in China
Mittwoch, 17. März 2010
Guilin - Yangshuo
Ein weiterer Höhepunkt unserer Reise sollte unser Ausflug nach Guilin und Yangshuo werden. Die beiden Städte liegen im Südwesten des Landes und sind wirklich eine Reise wert, da sie sich komplett von den Mega-Cities an der Ostküste unterscheiden. Einerseits liegt das an ihrer Größe. Guilin hat – je nach Reiseführer unterschiedlich, aber im Durchschnitt – 650000 Einwohner; Yangshuo ist mit 350000 Einwohnern nochmals deutlich kleiner. Andererseits ist die Landschaft, die man dort zu sehen bekommt, einfach wunderschön. Sie entspricht genau den Vorstellungen, die man als Europäer von Chinas Landschaft hat: Karstberge durch die sich malerisch Flüsse und grüne Täler bahnen.

Vor allem von Yangshuo aus kann man tolle Ausflüge in die Umgebung machen. Dorthin sind wir nach einem eintägigen Aufenthalt in Guilin über den Li-Fluss auf einer Fähre gefahren. Vom Deck des Bootes aus hat uns unser Guide verschiedenste Steinformationen gezeigt wie die neun Pferde, die Frau mit ihrem Kind, die auf ihren Mann wartet, den Reiter mit Pferd, die Göttin Guanyin und noch einige Scenic Spots. Je nach Formation wurde einem mal mehr mal weniger Fantasie abverlangt, um die Gebilde auch wirklich erkennen zu können.

Während dieser Fahrt hat auch eine junge Chinesin Freundschaft mit uns geschlossen. Anfangs hat sie sich nur ein bisschen mit mir unterhalten. Dass ich ein bisschen Chinesisch kann, fand sie super. Zum Ende der Fahrt hin war sie voll von uns beiden begeistert (Ich mag deine Haarfarbe. Deine Augen sind sehr tiefgründig. Ihr seid ein wunderschönes Paar...). Das zeigte sich am augenscheinlichsten darin, als sie mir als Zeichen der Freundschaft eines ihrer Ohrringe schenkte und zum Abschluss noch ein paar Fotos von ihr, mir, Falko, ihrer Mutter und ihrer Tante in verschiedensten Kombinationen knippste.

Nach unserer vierstündigen Fahrt auf dem Li-Fluss sind wir schließlich in Yangshuo angekommen. Während Guilin vor allem bei den Chinesen sehr beliebt ist, bleiben in Yangshuo laut Lonely Planet vor allem die Individualtouristen nach ihrer Fahrt auf dem Li-Fluss. Wir haben es genauso gemacht und uns in einem Hostel für zwei Nächte einquartiert. Unser Zimmer war super, aber das beste war die Roof-Top-Bar, auf der es vormittags Gratis-Frühstück und abends zwei Bier zum Preis von einem gab. Kostenlos war auch der einmalige Ausblick auf den Fluss und die Berge im Hintergrund. Mit solch einer schönen Aussicht haben wir also unsere Tage in Yangshuo begonnen.
Direkt nach unserer Ankunft haben wir zunächst mal die Stadt zu Fuß erkundet. Wir sind auf ein paar Hügel geklettert, haben einen Park besucht und sind auf einen Bauernmarkt gegangen. Zum Glück haben wir vorher noch nichts gegessen, sonst hätte es uns den Magen umgedreht. Die Obst- und Gemüseabteilung war ja noch in Ordnung, aber die Fleischabteilung war eine Herausforderung – sowohl olfaktorisch als auch visuell. Dort haben wir alle möglichen lebende, halbtote und tote Tiere bzw. Tierteile gesehen, sogar Hunde. Nach diesem Besuch haben wir unseren Plan, vielleicht mal Hundefleisch zu probieren, dann doch aufgegeben. Der Anblick war einfach zu krass. Außerdem gab es noch viele weitere Schmankerln zu probieren, wie zum Beispiel mi fen. Dabei handelt es sich um Reisnudeln in einer Brühe, die man in allen möglichen Varianten, vor allem aber mit Pferdefleisch und ein bisschen Grünzeug bekommt. Schmeckt eigentlich ganz gut, wobei ich auch gerne auf das Fleisch verzichtet hätte. Aber mei, gessen wird, wos aufn Tisch kommt... Was richtig lecker war, war der Bierfisch. Bei dieser Spezialität aus Yangshuo und Guilin handelt es sich um einen gegrillten Fisch in Biersoße mit vielen leckeren Kräutern, die wir nicht alle kannten. Diesen Leckerbissen haben wir in einem Restaurant gegessen, das noch nicht wie viele andere Läden auf Touristen eingestellt war und das uns ein junger Yangshuoer, mit dem wir uns vorher unterhalten hatten, empfohlen hatte. Da in der ganzen Küche kein Fisch mehr zu finden war, hat sich der Chef höchstpersönlich auf sein Motorrad geschwungen und extra für uns vom Markt frischen Fisch geholt. Dieser Bierfisch war bei weitem unser bestes Abendessen in Guilin und Yangshuo.

An unserem zweiten Tag haben wir uns daran gemacht, Yangshuos Umgebung mit dem Fahrrad zu erkunden. Nachdem wir uns für nur 4 Euro zwei Mountain Bikes gemietet hatten, konnte es losgehen. Unser Ziel war die Drachenbrücke, die über den Drachenfluss führt. Dieser Fluss ist ein Nebenfluss des Li-Flusses und ist ebenfalls von grünen Wiesen, Reisfeldern und natürlich Karstbergen umgeben – einfach traumhaft. Wir können eigentlich von Glück sprechen, dass wir die Brücke und den Radweg, auf dem wir zurückradeln wollten, nicht gleich gefunden haben. Dadurch haben wir mitten in der chinesischen Pampa die tollsten Plätze entdeckt und ich hab es tatsächlich geschafft, mich bei einem Ausweichmanöver zur Abwechslung mal in einen chinesischen Straßengraben zu stürzen. Ich hab mir zum Glück einen relativ sauberen Graben ausgesucht, also war`s nicht so schlimm. Außerdem war es ziemlich warm (so um die 28 Grad), sodass nasse Füße auch keinen Weltuntergang bedeutet haben.
Wenn hier chinesische Pampa steht, dann meinen wir das auch so. Oft waren weit und breit keine Häuser zu sehen, ab und zu mal ein Dorf und ein paar Bauern. Ansonsten sind wir nur an Reisfeldern und Mandarinen- bzw. Orangenfeldern und am Fluss entlanggefahren. Um so lustiger ist es aber, dass wir an der Drachenbrücke einer Gruppe Münchnern begegnet sind, die sich gerade in China aufgehalten haben, weil der Sohn/Bruder/Freund einige Tage vorher in Shanghai eine Chinesin geheiratet hatte.

Auch unser zweiter Tag in Yangshuo war super. Weil uns das Radln so gefallen hat, haben wir uns – vielleicht etwas übereifrig – gleich nochmal zwei Mountain-Bikes gemietet. Allerdings haben wir an diesem Tag nicht so lange durchgehalten wie am Tag zuvor, was zum einem am Muskelkater und zum anderen an den noch wärmeren Temperaturen lag. Außerdem wollten wir an diesem Tag wieder zurück nach Guilin fahren. Für unseren Ausflug hatten wir zwei Ziele anvisiert: einen riesengroßen, 1000 Jahre alten Banyanbaum und den Mondberg.
Der Banyanbaum war wirklich gigantisch – so groß, dass wir in beinahe nicht fotografieren hätten können. Der Umfang des Stammes war unglaublich riesig und die meisten großen Äste haben anscheinend eigene Wurzeln geschlagen, die den Baum zusätzlich mit Nährstoffen versorgen und gleichzeitig als Stütze dienen.
Nachdem wir diesem Wunderwerk der Natur einen Besuch abgestattet hatten, sind wir zum Mondberg geradelt, der nicht weniger beeindruckend ist. Woher der Name kommt, ist auf den ersten Blick ersichtlich: Im oberen Drittel des Berges befindet sich ein Loch in Form einer Mondsichel. Man muss sich mal Gedanken darüber machen, wie solch eine Formation zustande kommen kann. Sehr faszinierend. Beinahe noch beeindruckender war allerdings die Aussicht, die man vom Gipfel aus hatte. Karstberge, Reisfelder und der Banyanbaum in der Ferne – einfach toll!

Eigentlich war es fast etwas schade, dass wir noch am gleichen Tag wieder zurück nach Guilin gefahren sind. Man hätte bestimmt noch ein paar Tage mit derartigen Ausflügen verbringen können. Aber das Hostel für die kommende Nacht und der Flug zurück nach Hangzhou für den darauffolgenden Tag waren schon gebucht. Außerdem wollten wir von Guilin aus einen Ausflug nach Longsheng zu den Reisterassen machen.

Dass dieser Ausflug ein Trip der besonderen Art werden sollte, hatten wir aber nicht gedacht. Laut Beschreibung der Rezeptionistin hörte sich alles ganz gut an. Wir sollten mit einem Bus zunächst in ein Dorf fahren, in dem man sich fakultativ eine Longhair-Show einer chinesischen Minderheit ansehen konnte. Danach sollten wir ca. drei Stunden Zeit haben, um auf eigene Faust die Reisterassenfelder, die man von Postkarten her kennt, zu erkunden. Wir dachten uns, dass wir gut auf den ersten Teil des Ausflugs verzichten können und haben uns schon auf die kleine Wanderung durch die Terassen gefreut.
Daraus wurde dann aber nicht allzu viel. Aus irgendwelchen Gründen sind wir nämlich in eine chinesische Reisegruppe geraten. Das wäre an und für sich ja nicht schlimm, nur leider unterscheiden sich offensichtlich die Vorstellungen von Chinesen und Europäern was derartige Ausflüge betrifft doch recht stark voneinander. Außerdem war das Englisch der Tourleiterin ziemlich dürftig, sodass sie uns so gut wir gar nicht verstanden hat. Was noch hinzukam, war die Tatsache, dass sich die Tour komplett von dem unterschied, was uns im Voraus beschrieben worden war. Plötzlich hieß es, dass wir uns die Show ansehen mussten, dass nur eineinhalb Stunden für die Reisfelder blieben und das eine eigenständige Erkundung sowieso nicht möglich sei. Ähm ja, wir kamen uns vor wie im falschen Film.
Schließlich gelang es uns doch, uns von der Gruppe etwas abzuseilen und noch ca. eine Stunde in den Feldern spazieren zu gehen. Der Anblick der Terassen war – trotz unseres Ärgers – schon sehr beeindruckend. Vor allem muss man bedenken, wie viel Mühe und Arbeit hinter dem wunderschönen Anblick stecken. Schade, dass uns nicht mehr Zeit geblieben ist, dieses Gebiet zu erkunden. Am besten wäre es wohl, ein oder zwei Tage durch die Hügel zu wandern. Naja, vielleicht beim nächsten Mal...

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Letzte Aktualisierung: 2010.04.05, 13:10
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